Systematischer Blick auf die Prozesse
Stefan Glasmeyer, Direktor der Industriedivision, und Peter Klaus Kölling, Vertriebsdirektor General Industry bei Grundfos, sehen in der Optimierung des Anlagenbestands den wesentlichen Hebel, um die EU-Klimaschutzziele bis 2020 zu erreichen. Kunden wollen sie mit branchenspezifischem Wissen dabei unterstützen, ihren Anlagen Effizienz beizubringen.
P&A: Das Leuchtturmprojekt von Dena, Grundfos und Bayer zeigt, dass nicht immer die Pumpen ausgetauscht werden müssen, um mehr Effizienz bei der Fluidförderung zu erreichen. Ist der Bestand also besser als immer behauptet wird?
Kölling: Natürlich gibt es Pumpen, die schon seit 30 Jahren im Dauerbetrieb sind und einwandfrei funktionieren. Aber das Kriterium für den Tausch muss die Effizienz der Pumpe sein. Was hilft eine funktionsfähige Pumpe, wenn sie ein Energiefresser ist? Etwa 90 Prozent der installierten Pumpen verbrauchen zu viel.
Diese Zahl passt aber nicht zur geringen Nachfrage nach Optimierung. Woran hakt es?
Kölling: An den Anreizen. Wir versorgen den Markt mit Informationen über die Potenziale, sprechen mit Partnern, mit der Politik und mit Nichtregierungsorganisationen. Fakt ist aber: Ohne den Anreiz einer Anstoßfinanzierung ist da nichts zu machen. Eines der wirksamsten Mittel war hier bisher die schnelle Abschreibung von Investitionen. Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt, um Dynamik in den Markt zu bringen.
Sind schnell ausgeglichene Investitionen nicht genug Anreiz?
Kölling: Ganz so schnell wie im erwähnten Projekt bei Bayer geht es eben nicht immer. Gerade in der Großindustrie, wo es Fachleute in den Unternehmen gibt, steht die reine Betrachtung des Return on Invest (ROI) im Weg: Viele Energieprojekte erreichen die ROI-Vorgaben von zwölf bis 18 Monaten nicht, denn der normale Invest läuft zwei bis fünf Jahre. Die Betrachtung der Rendite aus energieeffizienten Programmen muss deshalb geändert werden – das sagt auch der ZVEI. Denn wirklich interessant ist ja die Rendite: Bei einem ROI von drei und einer durchschnittlichen Laufzeit von 15 Jahren haben Sie eine Kapitalrendite von etwa 33 Prozent. Das ist die Zahl, die am Ende wesentlich ist.
Und was hindert kleinere Firmen an der Investition?
Kölling: Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlt häufig der Fachmann. Daher werden die Potenziale dort falsch, sprich zu niedrig eingeschätzt.
Wie gehen Sie mit diesem Problem um?
Kölling: Was es braucht, ist Beratung. Das aktive Angebot an Energieberatern für industrielle Prozesse am Markt ist gelinde gesagt überschaubar. Um das zu verbessern, sollte an den Hochschulen ein entsprechendes Angebot da sein, um Fachkräfte auszubilden. Außerdem ist es in der Übergangsphase unheimlich wichtig, das Know-how der Hersteller mit zu nutzen, um diese Potenziale in der nahen Zukunft zu heben. Der Gesetzgeber ist allerdings der Meinung, das sollte nur eine neutrale Institution tun. Wir finden aber: Wo es kein Angebot gibt, muss man es eben schaffen. Denn hier sind riesige Sparpotenziale bei den Unternehmen vorhanden.
Wie sieht denn eine Beratung durch Grundfos konkret aus? Sprechen Sie den Kunden an, oder kommt er zu Ihnen?
Glasmeyer: Das ist sehr unterschiedlich. Zum Teil stoßen unsere Serviceleute bei Reparaturarbeiten in den Anlagen auf Einsparungspotenziale und sprechen unsere Kunden aktiv darauf an. Kunden kommen aber auch zu uns, damit wir mit Pump Audits die Potenziale bei ihnen identifizieren.
Können Sie den Ablauf eines Pump Audits beschreiben?
Glasmeyer: Im ersten Schritt trifft sich der Betreiber mit unserem Berater, um mit ihm Größe, Alter und Förderstrom der verwendeten Pumpen zu erörtern. Darauf folgt eine gemeinsame Besichtigung vor Ort – da man das Gesamtsystem im Auge haben muss, auch mit Prüfung der Anlage. Im dritten Schritt wird die Effizienz der Pumpenanlage gemessen. Das hilft dem Kunden im wichtigen vierten Schritt zu verstehen, welche Sparpotenziale sich auftun, wenn er in eine neue Pumpe investiert. Diese Vorschläge unterbreiten wir unseren Kunden gut dokumentiert als Ergebnis des Audits.
Und der Zeitaufwand für Betreiber?
Glasmeyer: Das geht oft sehr schnell. Sehen wir uns eine überschaubare Zahl an Pumpen an, dann ist die Messung innerhalb von ein bis zwei Tagen erledigt – inklusive Ergebnis, weil es ein standardisierter Prozess ist. Unsere Systeme stellen die Einsparungspotenziale auch gleich dar. So ist der Weg zu einer Entscheidung und zum klaren Identifizieren von Einsparungspotenzialen relativ kurz.
Sind Ihre Mitarbeiter ausreichend mit den branchenspezifischen Prozessen vertraut, um eine gesamte Anlage zu prüfen?
Glasmeyer: Wenn wir lediglich eine Pumpe anbieten würden, die ein Medium von A nach B fördert, hätten wir am Markt keinen Erfolg. Wer bei uns zum Beispiel für den Bereich Food & Beverage arbeitet, ist in der Regel Braumeister. Unsere Fachkräfte verstehen, wie der Prozess funktioniert; sie kommen mit dem Wissen des Prozesses zu uns und lernen die Pumpe bei uns kennen. Denn wir können unsere Pumpen nur effizient einsetzen, wenn wir verstehen, wie der Gesamtprozess bei unseren Kunden funktioniert. Wir haben also einen systematischen Blick auf ihre Prozesse.
Wenn es um Effizienz geht, müsste Ihnen die Ökodesign-Richtlinie doch einiges an Arbeit abnehmen.
Kölling: Ich denke bei der Richtlinie auch an den europäischen Bestandsmarkt. Ohne die Optimierung dieser Bestände werden wir die EU-Klimaschutzziele bis 2020 nicht erreichen. Daher ist es auch wichtig, dass die Politik mit den Unternehmen Ziele vereinbart, um diese Optimierung zu betreiben. Wir wünschen uns deshalb auch ein aktives Monitoring der Richtlinien. Zwar versuchen wir, das Thema mit unserem Pump Audit voranzutreiben. Doch mit einer abgestimmten Lösung zwischen Unternehmen und Politik ginge es schneller. Mit unseren Produkten und Serviceleistungen, wie dem Pump Audit, haben wir gute Voraussetzungen, wesentlich dazu beizutragen und es erfolgreich umzusetzen. Das halte ich für einen ganz wichtigen Punkt, um das Ziel für 2020 zu erreichen.Glasmeyer: Nicht zuletzt klären wir selbst auch weltweit mit der Bewegung Energy Movement unter dem Motto „Meet the Energy Challenge now“ über die enormen Energieeinsparungen bei Pumpentechnik auf. Wir sehen uns bei Energieeffizienz als Lokomotive. Seit 2011 setzen wirmit Grundfos Blueflux Maßstäbe: Die Motoren und Frequenzumformer dieser Baureihe sind eigens für den kombinierten Einsatz konzipiert und exklusiv für den Einsatz bei Pumpen zugeschnitten; sie erfüllen jetzt schon die Phasen 2 und 3 der gesetzlichen Normen der ERP-Richtlinie für Elektromotoren. Das heißt, sie sind so effizient wie die Lösungen, die erst für 2017 vorgeschrieben sind. Die Lebenszykluskosten sind um über 50 Prozent gesenkt, die Umweltbelastung verringert sich deutlich.
Und Ihre Prognose ist, dass der Markt die ehrgeizigen Ziele zur Energieeffizienz so meistern wird?
Kölling: Wir – und wohl die ganze Branche – sehen Deutschland in seiner Vorreiterrolle auf gutem Weg. Im Gegensatz zu anderen, die die Energiewende als Bedrohung formulieren, sehen wir diese als Chance.Glasmeyer: Ich glaube, die Überdimensionierung in der Pumpenauslegung ist so alt wie die Pumpe selbst. Das ist eine Grundsatzfrage. Wir müssen die Vorstellung „viel hilft viel“ aus den Köpfen bringen – dann schaffen wir auch die Klimaschutzziele.☐
