Erschienen in: P&A Kompendium 2011-2012, S. 206
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Das leck muss weg

Leckagemonitoring in Druckluftnetzen

Rund 200 Millionen Euro und fast 2 Millionen Tonnen CO 2 -Emissionen könnten deutschen Industrieunternehmen durch das Aufdecken von Leckagen in Druckluftnetzen sparen. Eine Fraunhofer-Untersuchung macht für energie- und kostenbewusste Druckluftanwender klar: Die Beseitigung von Leckagen steht an erster Stelle, wenn es um Energieersparnis geht. *  Text: Matthias Eichler, Boge Kompressoren Bilder: Boge  

Wie hoch ist der Leckageanteil im Druckluftnetz? Mit einem einfachen elektronischen Tool kann der Druckluftanwender diese wichtige Frage in Zukunft beantworten. Denn es gibt eine neue Generation von Kompressorsteuerungen, die eine automatisierte Erfassung der Leckagemengen ermöglichen. Diese Funktion lässt sich auch in vorhandenen Steuerungen nachrüsten. Die Studie „Compressed Air Systems in the European Union“, die die Einsparpotenziale der Drucklufttechnik untersucht, bezeichnet das Beseitigen von Leckagen als die „vermutlich wichtigste Einzelmaßnahme zur Energieeinsparung, die in nahezu allen Druckluftsystemen anwendbar ist“ [1]. Um diese Instandhaltungsaufgabe zu planen, muss der Anwender wissen, wie hoch der Leckageanteil ist: Bei größeren Netzen geben übergeordnete Steuerungen, die eine Druckluftverbrauchsstatistik anzeigen, Hinweise auf den Leckageanteil. Bei kleinen Netzen mit ein bis drei Kompressoren ist eine solche Lösung hingegen oft überdimensioniert. Hier mussten sich die Anwender bislang damit behelfen, dass man in einer längeren Ruhezeit der Produktion die Kompressorlaufzeiten misst. Dieser Wert ist aussagekräftig, weil die Station in dieser Zeit nur die Leckageverluste kompensiert. Er ist aber relativ aufwendig zu ermitteln, weil der Instandhalter oder das Service-Personal dafür Arbeitszeit einplanen muss.Der Kompressorhersteller Boge hat als erstes Unternehmen der Branche einen Leckagemonitor entwickelt, der die Leckagemengen in Ruhezeiten automatisch erfasst. So können auch Druckluftanwender für Einzelkompressoren oder kleine Netze von bis zu drei Kompressoren eine zuverlässige Leckageüberwachung erhalten – denn auch hier können sich die Verluste über das Jahr hinweg summieren. In zwei Steuerungen, die wiederum jeweils in mehreren Kompressorbaureihen zum Einsatz kommen, ist dieses Funktionsmodul serienmäßig integriert, das einfach über die Bedienoberfläche aktiviert werden kann. Die Steuerung erfasst dann nach einer festgelegten Karenzzeit über mehrere Stunden hinweg selbsttätig die Kompressorlaufzeit und zeigt diesen Wert – hochgerechnet auf ein Jahr – an. Der Druckluftanwender kann daraufhin ablesen, wie hoch die Leckageverluste sind. Dabei muss lediglich sichergestellt sein, dass die Kompressoren eingeschaltet und alle Verbraucher abgeschaltet sind: dann wird die reine Leckageluftmenge erfasst.

Der Leckagemonitor ist Bei Neumaschinen bereits serienmäßig in der Steuerung integriert. Für ältere Modelle ist er nachrüstbar.
Die professionelle Leckagemessung kann von Service-Mitarbeitern der Druckluftanbieter vorgenommen werden.

Klare Datenbasis für die Instandhaltungsplanung

Mit diesem praxisgerechten Tool hat der Druckluftanwender eine klare Datenbasis für die Entscheidung, ob eine Leckageortung und -beseitigung im Druckluftnetz angebracht ist. Beträgt der Leckagenteil nur sechsProzent, kann der Anwender zufrieden sein. Sind es 15Prozent? Dann ist Handeln angesagt, denn das würde bedeuten, dass 15Prozent der Druckluftkosten verschwendet werden. Da die leckagebedingten Kosten meist unterschätzt werden, steht so bei internen Diskussionen über die Wichtigkeit dieser Instandhaltungsmaßnahme eine solide Datenbasis zur Verfügung. Nach der Empfehlung des Herstellers sollte die Leckagemonitor-Funktion mindestens einmal im Jahr eingesetzt werden. Sinnvoller noch ist ein Einsatz etwa halbjährlich, wobei in einem solchen Fall nicht nur der Absolutwert des Leckageanteils interessiert, sondern die Veränderung der Werte: Wenn der Leckageanteil deutlich gestiegen ist, sollte zügig gehandelt werden.

Professionelle Leckagebeseitigung

Um die Leckstellen zu beseitigen, müssen sie zunächst geortet werden. Denn Leckagen können im gesamten Netz auftreten – in jeder Rohrleitung, an defekten Verschraubungen, undichten Schlauchkupplungen, verschlissenen Schläuchen und undichten Ventilen. Der Druckluft-Fachhandel verfügt ebenso wie die Service-Mitarbeiter der Kompressorhersteller über geeignete Messgeräte, mit denen sich Leckagen unabhängig von den Hintergrundgeräuschen der Produktion zuverlässig aufspüren lassen. Die Kosten für diese Dienstleistung einschließlich der Leckagebeseitigung amortisiert sich aus Anwendersicht meist rasch, wie das folgende Beispiel zeigt: Eine einzige Leckagestelle von 2mm Durchmesser verursacht in einem 10-bar-Druckluftnetz einen konstanten Luftverlust von 0,4m³/min. Das entspricht, auf ein Jahr gerechnet, einem Energiekostenaufwand von rund 3.000Euro [2]. Alle neuen Basic- und Fokus-Serien von Boge, die mit Steuerungen ausgestattet sind, bieten den neuen Leckagemonitor als Standard. Anwender, die vorhandene Kompressoren mit diesem neuen Tool nachrüsten möchten, können dies mit geringem Aufwand tun: Dazu ist nur ein kostenloses Software-Update der Steuerung erforderlich. Somit steht den Druckluftnutzern nun ein Tool zur Ermittlung der Leckagekosten zur Verfügung, das eine zielgerichtete Planung der Instandhaltungsarbeiten ermöglicht und zum effizienten Betrieb des Druckluftnetzes beiträgt.☐

Literatur

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