Zwischen 60 und 100 Tonnen Rohware verarbeitet das Unternehmen Gartenfrisch Jung in Jagsthausen bei Heilbronn täglich zu verzehr- bzw. küchenfertigen Produkten für den Lebensmitteleinzelhandel und für Großverbraucher – Tendenz steigend. Schon 1984 wagte der heutige Seniorchef den Schritt zur Verpackung des selbst produzierten Salats in Tüten. „Convenience ist weiterhin ein Wachstumsmarkt“, weiß Betriebsleiter Torsten Fischer. „Und wir sind mit diesem Markt kontinuierlich gewachsen.“ Eine Folge dieses Wachstums war die umfassende Neukonzeption der Gaseversorgungsanlage für die Verpackung unter Schutzatmosphäre. Seit Abschluss der Maßnahmen im Herbst 2010 können die gewaschenen und vorbereiteten Produkte nun an ausnahmslos allen Produktionslinien direkt unter Zugabe definierter Gemische von Lebensmittelgasen in Tüten und Schalen abgepackt werden. „Salat lebt“, so Fischer, „deshalb ist der Faktor Zeit bei Fresh cut das Allerwichtigste.“ Mit frischester Rohware und einer eigenen Lieferflotte mit rund 70 Fahrzeugen sorgt das Unternehmen für Qualität. Gleichzeitig wird konsequent auf chemische Konservierungsstoffe und Zusätze im Waschwasser verzichtet. Um Bräunungsreaktionen an den Schnittstellen zu minimieren, bringt die konsequente Nutzung von Lebensmittelgasen als Schutzatmosphäre (Modified Atmosphere Packaging, MAP) gute Ergebnisse. Bei Gartenfrisch Jung kommen dabei die drei geruchslosen Gase Stickstoff (N 2 ), Kohlendioxid (CO 2 ) und Sauerstoff (O 2 ) in verschiedenen Mischungsverhältnissen zum Einsatz: Das CO 2 löst sich zu geringen Teilen im Wasser der verpackten Produkte. Es hemmt bis zu einem gewissen Grad die Vermehrung von Mikroorganismen. Ergänzend verdrängt Stickstoff als reaktionsträges Stützgas den Luftsauerstoff und verhindert dadurch Oxidationsprozesse, also unerwünschte Auswirkungen von Sauerstoff auf die Produktqualität. Ein gewisser Anteil von Sauerstoff gewährleistet gleichzeitig, dass der Salat weiter atmen kann. So lässt sich die Haltbarkeit – bei ununterbrochener Kühlkette – auf bis zu sechs Tage verlängern.
Produktspezifische MAP-Lösung
Schon vor Inbetriebnahme der neuen Anlage nutzte Gartenfrisch Jung in kleinerem Umfang die Lebensmittelgase Biogon C und Biogon N von Linde. Aufgrund der damaligen technischen Ausstattung war damit nur eine einzige Gemischzusammensetzung möglich, die allerdings nicht für alle Produkte verwendet werden konnte. Die neue Anlage ermöglicht dagegen verschiedene Mischungen, um ein breiteres Produktspektrum begasen zu können. „Wir können damit ganz gezielt auf unterschiedliche Atmungsniveaus der einzelnen Komponenten reagieren, wobei wir bestrebt sind, bei der Rezepturgestaltung darauf zu achten, dass die jeweiligen Atmungskoeffizienten miteinander harmonieren“, bringt Fischer diesen entscheidenden Fortschritt auf den Punkt. Die jeweiligen Zusammensetzungen sind das Ergebnis langjähriger Erfahrungen sowie wissenschaftlicher Versuche im Rahmen einer Diplomarbeit – und selbstverständlich Betriebsgeheimnis. Aktuell werden drei Mischungen verwendet: Sie werden in drei 3-Komponentenmischern exakt vorgemischt und über Edelstahlleitungen in die Produktion geführt. An jeder Maschine sind alle drei Mischungen verfügbar. Der jeweilige Maschinenführer muss einfach das benötigte Gas manuell anschließen. Damit sind stets exakte Mischverhältnisse garantiert. Und auch beim Arbeitsschutz erfüllt die Installation höchste Ansprüche: Der Produktionsbereich wird kontinuierlich über automatische Gaswarnanlagen überwacht.
Sicher versorgt dank Bulk-Management
Hardwareseitig wird die Anlage über vier Flüssiggastanks – zwei für Stickstoff sowie je einer für Sauerstoff und Kohlendioxid – von außen versorgt. An einem automatischen Verdampfer gehen die flüssig gelagerten Gase bei Umgebungstemperatur in den gasförmigen Zustand über und werden dann in das Mischersystem geführt. Als mögliche Alternative wurde auch eine Stickstoff-Eigenerzeugung vor Ort geprüft. Vor allem Aspekte der Versorgungs- und Produktsicherheit sprachen jedoch für eine Versorgung mit Lebensmittelgasen durch Linde. „Eine Betriebsunterbrechung können wir uns hier nicht leisten“, war für die Verantwortlichen um Torsten Fischer schon im Vorfeld klar, „die Versorgungssicherheit war deshalb das zentrale Argument für Linde.“ Sie wird gewährleistet über Seccura-Bulk-Management, eine Lösung zur Tankstandsfernüberwachung und automatischen Gaseversorgung: Elektronische Sensoren an den Vorratstanks kontrollieren kontinuierlich Füllstand und Druck und melden die Daten an einen Computer am Tank. Dieser erfasst und protokolliert regelmäßig die Daten und übermittelt sie über ein Funkmodem direkt in das System der zuständigen Linde-Disposition. Sinkt der Gasevorrat in einem der Tanks unter eine definierte Marke, wird die Lieferung per Tank-Lastwagen direkt bei Linde Gas ausgelöst. Ergänzt wird das System durch die Online-Applikation Accura-Bulk-Management, die die aktuellen Tankstände sowie Verbrauchs- und Lieferscheindaten jederzeit bequem und übersichtlich verfügbar macht.
Salat ist nicht gleich Salat
Zwei Dinge lassen sich bei Gartenfrisch Jung in Jagsthausen lernen. Erstens: Salat lebt – und stellt damit ganz besondere Bedingungen an Verarbeitung, Logistik und Verpackung. Und zweitens: Salat ist nicht gleich Salat. Die von Linde realisierte Anlage zur Verpackung unter Schutzatmosphäre gewährleistet deshalb nicht nur höchste Versorgungssicherheit, sondern ermöglicht auch die Flexibilität für produktspezifische Gase-Mischungen.☐
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