Der Industriepark Höchst ist einer der größten Industrie- und Forschungsstandorte in Europa. Er ist Standort für rund 90 Unternehmen aus den Bereichen Chemie, Pharma und Biotechnologie. Auf dem 460 Hektar großen Gelände arbeiten etwa 22 000 Menschen. Auf einem solch großen Areal mit vielen verschiedenen Firmen müssen natürlich auch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. In der zentralen Notruf- und Serviceleitstelle laufen Tag und Nacht sämtliche Informationen zur Sicherheit zusammen. Früher hatte der Industriepark ein dezentral aufgebautes Sicherheitskonzept. Das heißt, es gab je eine Leitstelle für die Werkfeuerwehr, die Unternehmenssicherheit, den Umweltschutz und den Rettungsdienst. Vor ein paar Jahren modernisierte man diese Leitstellen.
* Infraserv Höchst
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Man entschied sich für eine zentrale Notruf- und Serviceleitstelle (NSL), die den komplexen Anforderungen eines modernen Industrieparks gerecht werden konnte. Seit 2001 ist diese Leitstelle nun in Betrieb. Sie besteht aus fünf separaten, aber identischen Arbeitsplätzen. An jedem dieser Arbeitsplätze sitzt ein Mitarbeiter, der zugleich ausgebildeter Feuerwehrmann, Sicherheitsfachmann und Rettungssanitäter ist. So kann jeder zu jeder Zeit jeden Einsatz annehmen. Die höhenverstellbaren Einsatzleittische in der NSL ermöglichen ein ergonomisches und aufgabenorientiertes Arbeiten. Zudem ist jeder Arbeitsplatz mit einem in den Tisch integrierten und elektronisch verstellbaren Touchpanel ausgestattet, über den sämtliche manuelle Steuerungen sowie die gesamte Kommunikation abgewickelt werden. Dahinter verbirgt sich die Eurofunk-Funk- und Notrufabfrage IDDS, in der der gesamte Telefon- und Funkverkehr der Leitstelle eng vernetzt mit dem Einsatzleitsystem abgewickelt wird. In diesem in sich redundanten System sind unter anderem Bündelfunk, BOS-Funk, Notruf- und Aufzugsnotruf integriert.
Leitstelle
Wichtig für ein reibungsloses Funktionieren der neuen Technik war die Einbindung der analogen Anlagentechnik auf die digitale Plattform. Die frühzeitige Einbindung eines Systemintegrators legte außerdem die Basis für die geforderte Herstellerunabhängigkeit bei Aufschaltung und Steuerung der verschiedenen Sicherheitstechnologien.
Die Videodaten werden auf einer zentralen Multiprojektionswand der Firma Eyevis angezeigt. Sie besteht aus sechs Cubes, die zu einer großen Bildschirmfläche zusammengesetzt sind. Jeder 67“-Cube leistet eine SXGA+ Auflösung von 1400x1050 Pixeln. In jedem Cube sind zwei Leuchtmittel integriert. Fällt ein Leuchtmittel aus, wird automatisch das neue Leuchtmittel in die Betriebsposition gefahren und aktiviert. Die automatische Helligkeits- und Farbkorrektur gleicht altersbedingte Abweichungen aus. Somit ist immer eine detailreiche und farbechte Bildwiedergabe gewährleistet. Hier werden wichtige Daten wie Windrichtung und -stärke angezeigt sowie eine zufällige Auswertung verschiedener Kamerabilder. An jedem Arbeitsplatz befindet sich ein 30“-Bildschirm, auf dem der Mitarbeiter verschiedene Kameras zur Überwachung auf dem Gelände aufschalten kann. Zum Sicherheitskonzept der NSL gehört ein völlig von der Außenwelt getrenntes, redundantes Netzwerk. Die entscheidenden Hardwarekomponenten wurden konsequent redundant etabliert und in zwei räumlich voneinander getrennten Technikräumen installiert. Die Rückfallebene für Gefahrenmeldeanlagen wurde in einer separaten Systemwand integriert. Im hinteren Bereich des Raumes befindet sich die Rückfallebene für Kommunikation, den digitalen Anruf- und Kommunikations-Server (DAKS), Sirenenauslösung und Kanalüberwachung. Seit 2001 wurden verbliebene Analogbausteine gegen Digitaltechnologie ausgetauscht. Heute basiert die komplett digitalisierte Systemarchitektur auf einer Leitstellentechnik, die eine integrierte Bearbeitung der unterschiedlichen Aufgabenbereiche unterstützt.
Videoüberwachung
Vor etwa drei Jahren wurde damit begonnen, die Videotechnik aufzubauen. Die bis dahin verwendete analoge Videokreuzschienentechnik reichte nicht mehr aus, die vielen Überwachungen technisch, vor allem aber auch wirtschaftlich darzustellen.
Etwa 300 Kameras, über einen separaten Datennetzring an das Gesamtsystem angeschlossen, sind im Industriepark Höchst installiert. Einen Teil betreiben die Standortfirmen selbst, alle weiteren setzt Infraserv Höchst in seiner Funktion als Standortbetreiber und Dienstleister für die Standortkunden zur Überwachung des Gesamtareales ein. Die Unternehmen beschaffen und installieren ihre eigene Videotechnik, die Recorder und Server. Infraserv fügt einen kleinen Serverschrank hinzu, über den das Unternehmen durch einen Switch mit dem Datennetz verbunden ist. Die Daten der Kunden-Kameras werden im Unternehmen dezentral gespeichert und brauchen darum längst nicht so viel Speicherkapazität wie das im Falle einer rein zentralen Lösung wäre. Zudem ist die dezentrale Speicherung auch ein Schutz gegen Ausfälle oder Verluste von Daten. Denn bei einem zentralen System wären alle Kameras an einen Recorder angeschlossen. Fiele der aus, sind alle Aufzeichnungen weg. Bei Infraserv sind derzeit noch fast alle eingesetzten Kameras analoge Kameras, die jeweils ihren eigenen Recorder haben. Sollten die Datennetze ausfallen, bleibt die Überwachung beim Kunden erhalten. Jeder Kunde von Infraserv Höchst kann seine eigene Überwachungstechnik selbst auswählen. Infraserv schafft die Voraussetzung dafür durch ein herstellerneutrales Managementsystem (Pvies) Es können somit fast alle Kameras und -systeme an das vorhandene Netz angeschlossen werden. Nach der Umstellung von der veralteten analogen Videodetektion auf Videoanalytik sind vor allem auch Fehlalarme deutlich zurückgegangen. Mit der analogen pixelorientierten Technik waren es 60 000 Alarme pro Jahr, jetzt sind es 2000, die in der NSL auflaufen. Mit der neuen Funktion „Low-Delay“ in der digitalen Technik lassen sich zudem die Verzögerungszeiten derart stark reduzieren, dass kein Unterschied zur früheren analogen Steuerung vorhanden ist. Eine sehr wichtige neue Funktion, denn damit ist auch in digitalen Anlagen eine präzise, manuelle Steuerung der S/N-Kameras möglich.
Im Alarmfall
Ein Echtzeit-Monitoring von mehreren hundert Kameras ist durch menschliche Beobachter allein nicht mehr darstellbar. Diese Funktion wird unter anderem durch eine Videoanalytiksoftware übernommen.
Die eingesetzte Analyse-Software Symphonie von Aimetis in der NSL ermöglicht es, genaue Parameter für bestimmte Situationen und für die einzelnen Videokameras festzulegen. Somit kann ziemlich genau eingestellt werden, was wann zu einem Alarm führen soll. Man bringt der Kamera sozusagen bei, wie sie „gucken“ muss. Die Tracking-Algorithmen der Software identifizieren potenzielle Bedrohungen, der Leitstelle wird ein Alarm signalisiert. Die Bilder werden sofort oben links auf die große Video-Leinwand aufgespielt. Der Mitarbeiter, der den Alarm annimmt, bekommt auf seinem Bildschirm dann drei Bilder der Videokamera, die den Vorfall „gesehen“ hat, aufgespielt. Zur Bearbeitung des Alarms stehen ihm automatisch das Livebild, das Alarmbild und die Aufzeichnung der Videosequenz 20 Sekunden vor dem Alarm zur Verfügung. Dementsprechend kann der Mitarbeiter dann entscheiden, ob es sich um eine akute Gefahr handelt.
Kundenorientierung
Videoüberwachung ist auch im Industriepark Höchst ein sensibles Thema. So ist bei der Installation einer Videoüberwachung bei einem Unternehmen immer der Betriebsrat mit einzubeziehen. Dieser hat natürlich von Unternehmen zu Unternehmen andere Wünsche und Vorgaben, die zu beachten sind. Somit ist der Zugriff auf die Überwachungskameras in den Unternehmen streng limitiert. Das Aufschalten sowie das Speichern von Videosequenzen werden in einer separaten Datenbank dokumentiert.
Nur in einem Alarmfall oder im Falle einer Wartung der Systeme können die Mitarbeiter der NSL die Bilder der Kameras aufschalten. Und nur nach vorhergehender Authentifizierung. Durch die dezentrale Speicherung der Daten im Unternehmen selbst liegt die Verantwortung für die Aufzeichnungen nicht bei Infraserv Höchst, sondern beim Kunden. Das ist auch für die Betriebsräte der Unternehmen ein wichtiger Aspekt.
Fazit
Mit der zentralen Notruf- und Serviceleitstelle gelingt Infraserv Höchst der Spagat, als Standortbetreiber den heutigen Anforderungen des Industrieparks gerecht zu werden und als Dienstleister auf spezielle Kundenwünsche vor Ort einzugehen. Mit nur einer zentralen Leitstelle können die Mitarbeiter viel fokussierter arbeiten und es müssen keine langen Wege zwischen den verschiedenen Stellen zurückgelegt werden.
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