Im September gab Roche den Start der konzernweiten Initiative „Operational Excellence“ bekannt. Alexander Klausner, Sprecher der Initiative: „Ziele sind Produktivitätsverbesserungen, die Anpassung der Kostenstruktur und die Stärkung der Innovationskraft in einem veränderten Marktumfeld.“ Roche reagiert damit nach eigenen Angaben auf den zunehmenden Kostendruck im Gesundheitswesen sowie auf die ständig steigenden Anforderungen wichtiger Regulierungsbehörden und die jüngsten Entwicklungen bei Projekten im Spätstadium der Roche-Pipeline. Gemeint sind damit vor allem Verzögerungen bei den Taspoglutiden und die ODAC-Empfehlung nach Bekanntgabe zweier noch ausstehender Studien, den Umsatzbooster Avastin wegen der nicht signifikant lebensverlängernden Wirkung nicht zuzulassen. Im vergangenen Jahr wurde laut einschlägiger Wirtschaftspresse mit dem Krebsmedikament Avastin ein Umsatz von fast 6 Mrd. US-Dollar realisiert. Vor kurzem hatten diese Entwicklungen zu einer Absenkung der Gewinnprognose geführt. Zudem kursieren seit August Spekulationen über einen bevorstehenden Stellenabbau. Ziel von „Operational Excellence“ sei es nach Angaben des Unternehmens nun, die bisherigen Investitionen in die Innovationen zu schützen und neue Innovationen möglich zu machen – durch neue, bessere Vorgehensweisen, den Stopp ineffizienter Bereiche oder Änderungen bestimmter Verfahren. Alle Teile der Organisation werden dazu in die Pflicht genommen, in dem sie ihre Strukturen und Prozesse analysieren. Bisher wurden dafür zu den verschiedenen strategisch wichtigen Themen über Abteilungs- und Standortgrenzen hinweg Arbeitsgruppen gebildet, die bis Jahresende Maßnahmenkataloge ausarbeiten und systematisch evaluieren. Die Umsetzung ist für 2011 und 2012 vorgesehen. Gesteuert werden alle Maßnahmen intern; externe Berater werden nur punktuell hinzugezogen. Severin Schwan, CEO von Roche verweist dabei auf den Wert vorausschauenden Handelns: „Wir starten diese Initiative aus einer Position der Stärke. Im Gegensatz zu vielen unserer Wettbewerber sind wir nur in geringem Masse von Patentabläufen betroffen. Außerdem verfügen wir trotz der Rückschläge in den vergangenen Monaten über eine der stärksten F&E-Produkte-Pipelines der Industrie. Wir werden unsere Ressourcen auf Investitionen fokussieren, die Innovation vorantreiben und den langfristigen Erfolg des Unternehmens sicherstellen. Gleichzeitig wollen wir unsere Profitabilität schützen, um unsere finanzielle Flexibilität zu wahren.“ Die Geschäftsführung betont in diesem Kontext, dass das Operational Excellence-Programm keineswegs eine reine Kostensenkungsmaßnahme sein soll, sondern dass es vor allem darum gehe, die richtigen Prioritäten für eine erfolgreiche Zukunft zu setzen. Denn in Anbetracht der gekürzten Gesundheitsbudgets geht Roche davon aus, dass die Kostenträger ihre Ressourcen zunehmend in diagnostische Testmethoden und Therapien investieren werden. Die Herausforderung, ein solches Programm in einem Unternehmen wie Roche konsequent umzusetzen, ist groß. Als weltweit größtes Biotech-Unternehmen entwickelt Roche ein sehr breites Spektrum an Produkten, darunter klinisch differenzierte Medikamente für die Onkologie und Virologie, sowie In-vitro-Diagnostik und gewebebasierte Krebstests. 2009 beschäftigte Roche weltweit über 80.000 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 49,1 Mrd. Franken.☐
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