Während die Passagiere an Deck der Aida-Clubschiffe sich kulinarisch verwöhnen lassen oder in den Wellness-Oasen entspannen, realisiert wohl kaum jemand den technischen und organisatorischen Aufwand hinter solch einem modernen Kreuzfahrtschiff. Jede Aida hat eine Gesamtlänge von über 250und eine Breite von mehr als 30 Metern. Bei dem neuesten Clubschiff, Aidablu, sorgen vier Dieselgeneratoren mit einer Leistung von je 9.000kW für die Energieerzeugung. Sie bringen die Ozean-Giganten auf 22Knoten – also rund 40km/h. Das Kreuzfahrtschiff kann in 1.096 Kabinen 2.200 Passagiere aufnehmen. Mit dem diesel-elektrischen Antrieb, interaktiven Kommunikationssystemen, umfangreicher Bühnen- und Unterhaltungstechnik an Bord ist Sicherheit und Unterhaltung nach den neuesten technischen Standards garantiert. Das Automatisierungssystem übernimmt sämtliche Überwachungs-, Alarm- und Steuerungsfunktionen an Bord. Es sammelt Daten von 14.000 Messpunkten auf dem Schiff und liefert detaillierte Informationen zu allen an Bord ablaufenden technischen Prozessen. Tausende elektrotechnische Komponenten sind somit zu einem funktionalen Ganzen zusammengefügt und leicht beherrschbar.
Wasseraufbereitung (auch) für perfekten Genuss
Bereits beim Bau des ersten Schiffs hat die Reederei Aida Cruises Sicherheit und Umweltschutz großgeschrieben. Die Schiffe werden mit den aktuellsten und umweltfreundlichsten Techniken ausgerüstet, die auf dem Markt momentan verfügbar sind. Dieses hohe technische Niveau gilt auch für die Wasserbereitstellung und die Abwasser- und Brauchwasseraufbereitung, bei der äußerst ökologisch und ökonomisch verfahren wird.Ein Novum der besonderen Art ist auf Aidablu zu bestaunen: Die erste Brauerei auf einem Kreuzfahrtschiff – ein erfahrener Braumeister braut täglich frisches Bier. Eine spezielle Kreation: Sie besteht neben Hopfen und Malz aus Meerwasser, das in den schiffseigenen Aufbereitungsanlagen entsalzt, gesäubert und wieder mit den nötigen Mineralien versehen wird. Der Braumeister verbraucht aber sicher die geringsten Mengen an Wasser – Wellness-Oasen, Wäscherei und Küche haben deutlich größeren Bedarf. Um Engpässe zu vermeiden, können an Bord über zwei Vakuumverdampfersysteme und eine Umkehrosmoseanlage aus Meerwasser täglich bis zu 1,5 Mio. Liter Trinkwasser erzeugt werden. Über Bunkerstationen kann Trinkwasser auch von Land übernommen werden. Im etwa zwölf Meter langen und fünf Meter hohen Vakuumverdampfer verdampft das zugeführte Seewasser bei milden Temperaturen weit unter 100°C – dafür reicht die Abwärme der Schiffsmotoren mit 85°C aus. Der so erzeugte Wasserdampf wird über einen Kondensator geführt und abgekühlt. Dem Destillat werden anschließend Mineralien wie Calcium und Magnesium zugesetzt – das so produzierte qualitativ hochwertige Trinkwasser erfüllt alle Vorgaben des Gesetzgebers. Vorteil: Man nutzt Energie, die als Abwärme ansonsten nicht nutzbar wäre. Nachteil: Die beiden Verdampfer kann man nur einsetzen, wenn das Schiff auf See ist und fährt. Das Funktionsprinzip der Umkehrosmose ist gänzlich anders: Das Rohwasser wird mit Hilfe von Hochdruckpumpen einer semipermeablen Membran zugeführt. Auf dieser teilt es sich in zwei Teilströme auf: Ein Teilstrom wird unter hohem Druck durch die Membran hindurchgeführt und dabei gereinigt, der andere wird abgeleitet. Auch hier muss das gewonnene Reinwasser durch Zufuhr der für Trinkwasser erforderlichen Mineralstoffe aufgehärtet werden. „Der Einsatz von zwei unterschiedlichen Technologien zur Trinkwasserbereitung erhöht für uns die Sicherheit, jederzeit über Trinkwasser zu verfügen“, erläutert Detlef Stremlow, Fleet Technical Manager und Inspektor bei Aida Cruises. Bevorzugt werde das Meerwasser mit der Verdampfertechnik erzeugt – die Nutzung der zur Verfügung stehenden Abwärme ist sehr kostengünstig. Ist das Schiff jedoch nicht mit voller Leistung unterwegs, muss die Umkehrosmose zugeschaltet werden, da die Verdampfertechnik allein nicht ausreicht. Jedes der Aida-Schiffe ist mit einer Meerwasserentsalzung auf Basis einer Umkehrosmose-Anlage ausgerüstet; dort sind je drei der BM-Module von Grundfos installiert. Es handelt sich dabei um modifizierte und in einem Druckrohr aus Chromnickelstahl gekapselte Unterwasserpumpen. Diese Booster-Pumpen im Druckmantel erzeugen große Energiedichte auf kleinstem Raum – ein wesentlicher Vorteil, spielt doch auf Passagierschiffen der verfügbare Raum für die Wirtschaftlichkeit eine wichtige Rolle. BM-Module lassen aufgrund der Kapselung zudem einen Druck bis 70bar zu.
Raumeinsparung durch Booster-Pumpen erhöht Wirtschaftlichkeit
Für den Einsatz in Umkehrosmose-Anlagen aus dem Werkstoff 1.4539 gefertigt, bietet der Hersteller die Pumpen mit einer Leistung zwischen fünf und 65m³/h und Förderhöhen bis maximal 800 Metern (Serienschaltung) an. Die BM-Module erlauben eine raumsparende Aufstellung ohne Fundamente, außerdem sind sie hermetisch dicht und daher weitgehend wartungsfrei. Zudem ist das BM-Modul Teil der Rohrleitung, das Ausrichten von Motor und Pumpe entfällt dadurch. Da die BM-Module als gekapselte Unterwasserpumpen arbeiten, sind sie darüber hinaus sehr leise. Einen zusätzlichen Vorteil spielt eine neuere Weiterentwicklung aus: BMEX-Module kombinieren die gekapselte Hochdruckpumpe mit einem X-Wandler, der die noch vorhandene Restenergie im Umkehrosmosekonzentrat nach der Membrane nutzt. Diese Technik führt bis zu 60 Prozent der eingesetzten Energie wieder zurück. Die Anlagen sind für eine Aufbereitung zwischen 500 und 2.500m³/Tag bei einem Energieverbrauch von nur 3kWh/m³ ausgelegt. Den Druckverlust im X-Wandler gleicht eine per Frequenzumrichter gesteuerte Pumpe der Baureihe BME aus. So bleibt der für die Umkehrosmose erforderliche konstante Druck sichergestellt. „Wir haben uns die Technik bei Grundfos vor Ort angesehen“, sagt Detlef Stremlow. „Die Bauart und der darauf basierende geringe Platzbedarf haben uns vom Konzept der BM-Module überzeugt. Überzeugend war auch die durch Referenzen belegte Standzeit dieser Technik.“ Die Überzeugung, mit dem richtigen Partner zu arbeiten, habe sich im praktischen Betrieb gefestigt, ergänzt der Technical Manager: „Wir haben nur ganz wenige Ausfälle zu verzeichnen. Und wenn es dann darauf ankommt, stimmt der Service.“ Bei ordnungsgemäßem Einbau und Betrieb sind die installierten BM-Pumpen als weitgehend wartungsfrei zu betrachten. Doch sind Schäden und technische Probleme natürlich nie auszuschließen. Wegen der Bedeutung solcher Trinkwasseranlagen auf Schiffen hat Grundfos ein global umfassendes Techniker-Team aufgestellt. Im Rah-men eines jährlichen Trainingsprogramms werden dieseTechniker kontinuierlich auf Booster-Systeme geschult und trainiert. Ziel ist, den Reedereien bei Bedarf schnelle, kompetente Hilfe bieten zu können. Dank spezieller Lager mit Paketen mit anlagenspezifischen Komponenten, Ersatz- und Verschleißteilen und kompletter BM-Module sowie an zentraler Stelle gelagerter Spezialwerkzeuge sind Servicearbeiten oder der Tausch von Ersatzteilen in kürzester Zeit möglich. Detlef Stremlow: „Bei einer Störung schickt Grundfos das entsprechende Teil oder auch das komplette Pumpensystem an einen vereinbarten Zielpunkt, wo dann auch ein Service-Techniker vor Ort bereit steht.“☐
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