Titelreportage
Erschienen in: P&A Februar 2010, S. 17
P&A-Titelreportage  |   Oerlikon

Starkes Team auf der Pole-Position

Geschickt angeordnete Kombination aus Vor- und Rootspumpe gewinnt Energieeffizienz-Rallye

Bahnbrechende Erfindungen sind in der technologisch ausgereiften Vakuumtechnik rar. Nun aber schickt ein Kölner Hersteller ein Team aus Vor- und Feinvakuumpumpe an den Start, um unterschiedlichste Produktionsprozesse nachhaltig zu verändern. Die geschickt angeordnete Kombination ist auf dem besten Weg, das Rennen um Zuverlässigkeit, Energieeffizienz und Platzbedarf zu gewinnen. *  Text: Susanne Nördinger Fotos: Oerlikon Leybold Vacuum

Die passenden Team-Mitglieder zu finden, gestaltet sich bekanntermaßen nicht immer einfach. Anders ist dies im Falle der neuen Dryvac. Da hat sich eine Gruppe gefunden, die miteinander unschlagbar ist. Denn in der neuen trocken laufenden Vakuumpumpen-Baureihe von Oerlikon Leybold Vacuum verstehen sich Vor- und Feinvakuumpumpe stets blendend, sodass die Leistung stimmt und der Weg zum Energieeffizienz-Champion im Rennen um die beste Vakuumversorgung geebnet ist. Ein Pumpendesign im Baukastenprinzip – und das ganz unabhängig von den inneren Werten, sprich der Mechanik. So bleibt genügend Platz für Variationsmöglichkeiten und unterschiedliche Anordnungen. Grundsätzlich kann jede Vakuumpumpe nur einen bestimmten Evakuierungsschritt bewältigen. In vielen Produktionsprozessen benötigt man aber leistungsbedingt eine Kombination aus mehreren hintereinander geschalteten Pumpen. Um beispielsweise niedrige Vakuumdrücke bis 10-³mbar zu erzielen, sind in der Regel zwei Pumpstufen beteiligt. Die erste Pumpe erzeugt ein Vorvakuum für die zweite Pumpe und wird häufig als Vorpumpe bezeichnet, die nächste Pumpe liefert dann das Feinvakuum für den Prozess. „Die Pumpen der Dryvac-Serie können horizontal oder vertikal miteinander kombiniert werden. Je nach Kundenanforderung bieten wir kompakte Pumpsysteme oder auch Einzelpumpen an“, erläutert Elke Mossolff, die bei Oerlikon Leybold Vacuum in Köln im Bereich Market Research und Promotion tätig ist. Da die verschiedenen Team-Mitglieder perfekt harmonieren, sei der Platzbedarf des Systems stets sehr klein. Das ausgewählte Paar aus Vor- und Feinvakuumpumpe passt so gut aneinander, dass aufwendige Rohrverbindungen entfallen können. Die Pumpen gibt es sowohl mit als auch ohne Gehäuse und ebenfalls mit oder ohne Steuerung. Damit bieten sie den Anwendern höchste Flexibilität. Die Pumpen der Dryvac-Baureihe werden vornehmlich in Applikationen der Solarindustrie, der Beschichtungstechnik oder der Prozessindustrie eingesetzt. „Eine typische Applikation ist zum Beispiel eine Vakuumschleuse in einem Beschichtungsprozess für Display- oder Architekturglas“, sagt Olaf Stahlschmidt, Senior Manager Product Lifecycle bei Oerlikon Leybold Vacuum in Köln. Die Beschichtung dient dem Glas zum Beispiel als wärmereflektierende Schicht, was vor allem bei Architekturglas sehr wichtig ist. In der Prozessindustrie hingegen kommen Vakuumpumpen von Oerlikon Leybold Vacuum beispielsweise zur Trocknung von Bauteilen oder Hochspannungstransformatoren zum Einsatz. „Letztere werden unter Vakuum getrocknet und parallel geheizt“, schildert Stahlschmidt. Denn ein großer Transformator enthalte bis zu 30 Tonnen Papier und Holz, aus dem das Wasser komplett herausgetrocknet werden müsse, um die Isolationswirkung sicherzustellen. Im Marktsegment Photovoltaik benötigt man Vakuumpumpen etwa in den Bereichen Solarzellenherstellung, Lamination und thermische Solarkraftwerke. So unterschiedlich die Anwendungsgebiete auch sind, mit einer einzelnen Vakuumpumpe lassen sich diese Prozesse häufig nicht realisieren, ein Pumpenkombination ist also meistens vonnöten.

Umrüstzeiten wurden extrem reduziert: dank Ordnung in den Formatteilen und einem Stecksystem, das beim Maschinenbauer angeregt wurde.
Das Kosmetik-Produktionswerk in Wassertrüdingen war eines der ersten, das Erfahrung mit dem TPMplus-Programm bei Henkel sammelte. Nun steht das Konzept vor dem Roll-out auf weitere Standorte.

Energieeffizienz-Champion

Für die meisten Applikationen ist das durch die Pumpe erzeugte Vakuum zwar essentiell, trotzdem beläuft sich das Investitionsvolumen für die Vakuumtechnik laut Marktspezialistin Elke Mossolff in einer Anlage nur auf etwa fünf bis zehn Prozent der Gesamtinvestitionssumme. „Für viele unserer Kunden ist die Vakuumpumpe daher nur eine Blackbox, die funktionieren muss. Es interessiert sie aber meist nicht, welches Pumpprinzip zum Einsatz kommt und wie sie arbeitet.“ Wie überzeugt man also einen Anwender von der neuen Baureihe? „Die Dryvac-Baureihe basiert auf uns bestens bekannten Technologien. Diese haben wir nun so optimiert, dass die Dryvac sich mit einigen herausragenden Eigenschaften von Wettbewerbsprodukten absetzt“, freut sich Stahlschmidt. Sie arbeite äußerst zuverlässig, robust, prozessstabil und verursache nahezu nie einen ungeplanten Anlagenstillstand, was natürlich als Grundvoraussetzung für eine zuverlässige Vakuumpumpe zu sehen ist. Nicht gerade selbstverständlich ist jedoch der deutlich optimierte Energieverbrauch, denn im Gegensatz zu vergleichbaren Pumpengrößen anderer Hersteller verbraucht die Dryvac circa 30 Prozent weniger Energie. Damit erfüllt Oerlikon Leybold Vacuum nicht ohne Stolz die weit verbreitete Kundenanforderung nach effizienten Prozessen.Die Optimierung der Leistung der Dryvac wird unter anderem auch durch die ausgereifte elektronische Steuerung der Pumpe erreicht. Diese lässt sich für den Kunden sehr einfach über ein Touch-Panel oder verschiedene gängige Schnittstellen nutzen. Die integrierte Steuerung kommt bei den „i“-versionen der Dryvac zum Einsatz. Doch damit nicht genug. Wie bereits beschrieben, nimmt das Nähe liebende Pumpen-Pärchen dank kompakter Bauweise ohne zusätzliche Rohrverbindungen kaum Platz in Anspruch und besitzt somit einen extrem kleinen Footprint, sprich Standfläche, was wiederum Kosten spart. Zudem überwacht sich die Pumpe selbst. „Es werden verschiedene Parameter permanent beobachtet. Werden bestimmte Grenzwerte überschritten, schaltet sich die Pumpe zum Selbstschutz ab“, schildert Mossolff. Bevor es zu einer automatischen Abschaltung der Pumpe kommt, erhält der Anwender jedoch über die elektronischen Schnittstellen eine Warnmeldung, sodass er im Idealfall noch rechtzeitig regulierend in den Prozess eingreifen und einen Stillstand verhindern kann. „Wir bieten unseren Kunden auch eine Servicehotline, die er in solchen Fällen nutzen kann“, fügt Stahlschmidt hinzu. Das Servicekonzept hat Oerlikon Leybold Vacuum von der extrem zuverlässigen Wälzkolben-Baureihe Ruvac übernommen. Es sieht vor, dass die Kunden durch Oerlikon Leybold Vacuum geschult werden und somit einfachere Probleme vor Ort selbst erledigen können. „Im Regelfall ist das ein unheimlicher Zeit- und Kostenvorteil für unsere Kunden“, versichert Stahlschmidt. Selbstverständlich könne jederzeit auch ein Leybold-Servicemitarbeiter zu Hilfe gerufen werden, der den Kunden ebenfalls vor Ort unterstützt. Ins Servicecenter müsse die Pumpe nur in besonderen Fällen geschickt werden, was zum Beispiel bei der Kontamination mit giftigen Gasen oder ähnlichem angeraten werde.

Applikationsingenieure im Team

Mindestens genauso wichtig wie der Service ist den meisten Anwendern die richtige Beratung. Dazu beschäftigt das Unternehmen ein Team aus Applikationsspezialisten, die seit vielen Jahren mit Vakuumsystemen arbeiten und sich mit der optimalen Auslegung auskennen. Elke Mossolff erklärt: „Es ist immer eine hohe Kunst, die richtige Pumpe auszuwählen. Entscheidend kann es zum Beispiel sein, ob im Prozess Staub oder kondensierende Dämpfe entstehen, die die Vakuumpumpe negativ beeinflussen können, denn alles muss durch die Pumpe hindurch gefördert werden.“ Physikalisches Detailwissen, Fertigungskompetenz und das Know-How über die kundenrelevanten Applikationen sind wesentlich für den Erfolg einer Pumpenreihe. Laut Mossolff besitzen bestimmte Industriezweige auch bestimmte Vorstellungen für ihr Vakuumsystem. So wünscht sich die Solarbranche ihre Pumpstände meist im Gehäuse mit integrierter Steuerung, während Anwender aus der Prozessindustrie weniger integrierte Steuerung benötigen und auch mit einer gehäusefreien Variante völlig zufrieden sind. Kunden mit Schleusenanwendungen können sich über das deutlich optimierte Saugvermögen der Dryvac freuen, sodass der nötige Prozessdruck schneller zur Verfügung steht und der Produktionsprozess effizienter ablaufen kann. Olaf Stahlschmidt fasst zusammen: „Die Vakuumtechnologie ist zwar ein reifer Markt, an dem man auch in der physikalischen Gestaltung nicht viel ändern kann. Trotzdem gelingt es uns immer wieder Verbesserungen durchzuführen und somit den Innovationsfluss voranzutreiben.“

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