Erschienen in: P&A März 2008, S. 049
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Im Dienste der Schönheit

Webbasierendes MDE/BDE-System erfasst und analysiert Betriebsdatenin Nivea-Produktion produktionslinienübergreifend

Ein dezentrales System automatisiert die werksweite Erfassung, Auswertung und Archivierung von Betriebs- und Maschinendaten bei Beiersdorf. An 36 Abfüllstraßen im Werk Hamburg zeigt ein webbasierendes Maschinen- und Betriebsdatenerfassungs-System produktionsübergreifend für die Abfüllung von Nivea-Produkten Kennzahlen und Schwachstellen auf und gestaltet die Fertigung somit effizient und transparent. * Jörg Prim

Tesa, Hansaplast, 8x4, Labello und Nivea gehören zu den Marken aus dem Hause Beiersdorf. Seit fast 100 Jahren haben unzählige Nivea-Dosen und Flaschen die Produktionshallen nahe Hamburg verlassen. Dieser Erfolg brachte immer wieder neue Herausforderungen mit sich, die nur durch Flexibilität und permanente Innovation lösbar waren. Mit der Einführung eines produktionslinienübergreifenden und webbasierenden Maschinen- und Betriebsdatenerfassungssystems im Werk 3 in Hamburg stellt sich Beiersdorf diesen Herausforderungen, um den Produktionsprozess weiter zu optimieren und an zukünftige Entwicklungen anzupassen.

Die bisherige zentrale Erfassung der insgesamt 36 Produktionslinien – allesamt Abfüllstraßen – zeigte dem Unternehmen seine Grenzen in Bezug auf die Produktion auf. Es gab zwar ein computergestütztes Maschinen- und Betriebsdatenerfassungs-System (MDE/BDE) auf Basis einer Access-Datenbank, das den grundsätzlichen Anforderungen an eine zuverlässige Produktion genügte. Aber eine übergreifende Auswertung über alle Produktionslinien hinweg und ein Echtzeitzugriff auf die gesamten Produktionsdaten waren damit nicht möglich. Bei der Auswahl einer zukunftssicheren und wirtschaftlichen Lösung für die produktionslinienübergreifende Erfassung und Analyse der Maschinen- und Betriebsdaten hat sich Beiersdorf für die Softwareplattform PM-Scada-MDE/BDE von Felten entschieden. Seit über 17 Jahren unterstützt der Software-Hersteller mittelständische und große Industriebetriebe bei der Gestaltung ihrer Business- und Produktionsprozesse. Neben der PM-Scada-Softwarefamilie für die Produktionsoptimierung gehören auch kompetente Beratungsleistungen rund um die FDA/GMP-Qualifizierung und Validierung zum Leistungsspektrum von Felten. Das MDE/BDE-System dient der Echtzeiterfassung und Auswertung von Maschinen- und Betriebsdaten. Die Softwarelösung ist branchenneutral und vergleichsweise einfach in bereits bestehende Strukturen zu integrieren. Sie ist redundant ausgelegt und bietet dem Anwender vor allem durch die flexiblen Möglichkeiten der Systemanpassung und -erweiterung ein Maximum an Investitionssicherheit. Im Sommer 2006 nahm das gemeinsame Projektteam mit Bernd Mencke von Beiersdorf und Jörg Prim von Felten die Arbeit auf, unterstützt durch ein ausgewähltes Supportteam. Im ersten halben Jahr erfolgte die Datenerfassung an den Abfüllstraßen, danach sukzessive die Reportierung bzw. die Reporterstellung. Innerhalb nur weniger Wochen nach Auftragsvergabe wurde die erste Produktionslinie an das MDE/BDE-System angeschlossen. Die Pilotanlage wurde im Juli installiert, im August fand die Basisinstallation mit zwei weiteren Linien statt. Der Rollout bis zur Anbindung aller Linien folgte dann ab September. „Bereits in der Spezifikationsphase wurde die Schnittstelle einer Abfüllstraße gemeinsam erarbeitet und genehmigt“, berichtet Jörg Prim, Leiter der Softwareentwicklung bei Felten. „Diese Schnittstelle ist so flexibel, dass sie Unterschiede der einzelnen Linien durch Konfigurationsmöglichkeiten berücksichtigt, dadurch waren wir in der Lage, nicht vor Ort, sondern per Fernwartung die Linien in Betrieb zu nehmen.“ Die neue Lösung erweist sich in jeder Hinsicht als skalierbar. Die Produktionsstraßen, die in der Regel aus 15 unterschiedlichen Maschinen bestehen, können beliebig um neue Maschinen erweitert oder, wenn ein Produktionsschritt wegfällt, auch gestrafft werden. Ebenso einfach und schnell können komplett neue Linien in das System eingepflegt werden. Dabei müssen lediglich die Unterschiede zwischen den Linien konfiguriert werden.

Webtechnologie als Basis

Weil PM-Scada auf konsequenter Webtechnologie basiert, gibt es keine Anwendungen, die auf Clients installiert werden müssen. Ein zentraler Applikationsserver stellt alle Applikationen bereit und auf den PCs vor Ort in einem einfachen Browser dar. Das gilt auch für die Konfigurationsoberfläche. Zudem verfügt die aktuelle Lösung über eine Schnittstelle zum hauseigenen ERP-System SAP. Damit ist eine differenzierte Analyse der Daten und eine Verknüpfung mit anderen Unternehmensinformationen problemlos möglich. Das MDE/BDE-System automatisiert als dezentrales System die werksweite Erfassung, Auswertung und Archivierung von Betriebs- und Maschinendaten und stellt in Echtzeit aussagekräftige Parameter für die Produktionsplanung, Qualitätsauswertung, Instandhaltung und den Optimierungsprozess zur Verfügung. Mit diesen Ist-Werten können in der Produktion Maschinenstörungen, Stillstandszeiten und Ausschuss verringert und die Arbeitseffizienz gesteigert werden.

Ein integriertes Werkzeug erlaubt die Berechnung kundenspezifischer Unternehmenskennzahlen, so genannter Key Performance Indicators (KPIs). Im KPI-Calculator können beispielsweise Formeln zur Produktivitätsberechnung oder zur Ermittlung von Stillstandskennzahlen definiert werden. Der Benutzer hat zudem die Möglichkeit, Grenzwerte einzugeben und Zeiten vorzugeben, an denen die Unternehmenskennzahlen berechnet werden sollen. Mit dem Report Designer kann er KPI-Berichte maßschneidern. Darüber hinaus lässt sich die Berichterstellung zu festgelegten Zeitpunkten automatisieren. Denkbar sind beispielsweise tägliche, wöchentliche oder monatliche Berichte. Daten aus den unterschiedlichsten Quellen können unternehmensweit in einem einzigen Bericht zusammengefasst werden. Diese Berichte unterstützen den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP), indem sie etwaige Bottlenecks aufzeigen, die dann entsprechend analysiert werden können. Daraufhin eingeleitete Verbesserungsmaßnahmen, wie konstruktive Änderungen an Maschinen, können dann durch die neuen Kennzahlen hinsichtlich ihrer Auswirkung belegt werden. Projektleiter Bernd Mencke von Beiersdorf konstatiert: „Wir haben jetzt zuverlässige und reproduzierbare Kennzahlen und Protokolle über die Stör-, Reinigungs- und Rüstzeiten der Abfüllanlagen. Das neue Maschinen- und Betriebsdatenerfassungssystem hat schon jetzt die eine oder andere Schwachstelle an den Anlagen aufgezeigt und uns damit geholfen, die Effizienz deutlich zu steigern.“

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